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Sienna Spiro: Visitor (Review)

Artist:

Sienna Spiro

Sienna Spiro: Visitor
Album:

Visitor

Medium: CD/LP/Download
Stil:

Singer/Songwriter, R'n'B, Soul, Pop

Label: Capitol Records/Universal Music
Spieldauer: 33:17
Erschienen: 03.07.2026
Website: [Link]

Die Londoner Songwriterin SIENNA SPIRO folgt mit der Veröffentlichung ihres Debüt-Albums „The Visitor“ der Tradition britischer Soul-Pop-Queens und präsentiert ein meisterlich inszeniertes, zeitloses Werk zwischen Soul, Jazz, Blues und Pop, das nicht von ungefähr an Vorgängerinnen wie AMY WINEHOUSE und ADELE erinnert, die Spiro auch als offensichtliche Vorbilder anführt.

Interessanter noch als diese Referenzen sind allerdings die Inspirationsquellen, die SIENNA SPIRO zusätzlich benennt. So studierte sie beispielsweise auf Anraten ihres Vaters die Phrasierung des von ihr wegen seines Ansatzes als Geschichtenerzählers hochverehrten FRANK SINATRA, nennt aber auch ETTA JAMES, BILLIE HOLIDAY, DINAH WASHINGTON, ARETHA FRANKLIN, NINA SIMONE oder TEDDY PENDEREGRASS als Idole – klassische Sänger also, die mit zeitgenössischer Popmusik dann so gar nichts zu tun haben. Hieraus ergibt sich der klassischen Sound ihres Materials und das jazzig/bluesige Timbre ihres Gesangs.


Schon als Kind begann SIENNA SPIRO eigene Songs zu schreiben, besuchte die East London Arts And Music-School, von der sie ich bereits mit 16 wieder verabschiedete, um sich vollumfänglich der Musik zu widmen. Kurz darauf begann sie 2021 erste Videos auf TikTok zu posten, mittels derer sie schnell eine große Gefolgschaft erreichte. 2024 veröffentlichte sie ihre ersten Singles (von denen die zweite „Maybe“ bereits die Charts eroberte), die sie später auf der ersten Songsammlung „Sink Now, Swim Later“ zusammenfasste.

Mit diesem Erfolg im Rücken begab sie sich auf eine erste UK-Tour und veröffentlichte 2025 die Single „Die On This Hill“, die ihr den internationalen Durchbruch brachte und in Amerika, England, Europa und Südostasien chartete. Ein Major-Deal war die fast zwangsläufige Folge dieser Anstrengungen und Erfolge. Heute ist SIENNA SPIRO gerade mal 21 Jahre jung. Kein Wunder also, dass das nun vorliegenden Debüt-Album „The Visitor“ gleich mit der Grandezza einer High-Profile-Produktion und einer gewissen musikalischen Altersweisheit daherkommt.

Während SIENNA SPIRO mit der EP „Sink Now, Swim Later“ das Thema Coming Of Age bereits abgearbeitet zu haben scheint, stehen auf dem Album „The Visitor“ Selbstfindung und Empowerment im Zentrum. Im Titelsong etwa sieht sich die Musikerin als Besucher in einer ihr fremden Welt, in der sie noch ihren Platz finden muss, während sie in dem Track „Pure“ ihre Wünsche nach Zugehörigkeit und Anerkennung zum Ausdruck bringt. SIENNA SPIRO schreibt ihre persönlichen, konfessionellen Songs selbst und lässt sich nur gelegentlich von Executive Producer Omar Fedi und Songwriter Michael Pollack bei der musikalischen Ausarbeitung unterstützen.


Spiro bezeichnet ihre Musik als „Intentional, Timeless & Miserable“ und setzt auf der musikalischen Seite ganz auf klassische Tugenden. Die Songs wurden im Abbey Road Studio in London, im Electric Lady Studio in NYC und im Valentine Studio in Los Angeles analog live im Studio eingespielt, wobei in Los Angeles auch das 20-köpfige Hollywood Cinematic Orchestra unter der Leitung von Dirigent PETER ROTTER eingebunden wurde. Hier wurde das Material auch finalisiert und gemischt; allerdings dezidiert ohne die Aufnahmen mit Autotune und anderen KI-Hilfsmitteln nachzubearbeiten.

Natürlich kamen ihr die Ressourcen des Major-Deals zupass, aber die Ergebnisse, die dieser Prozess zeitigte, rechtfertigen diesen Einsatz völlig – denn SIENNA SPIRO gelingt es scheinbar mühelos, der grandiosen Produktion ihren Stempel aufzudrücken. Da ist etwa ihre sehr spezielle, hauchige Altstimme, deren charakteristisches Timbre zum Teil auf Stimmbandknötchen zurückzuführen ist, was zu einem hohen Wiedererkennungswert führt und in Songs wie „We’re Not In Love“, „The Visitor“ oder dem abschließenden, als klassische Jazz-Ballade angelegten Track „Mono No Aware“ für eine gewisse Verletzlichkeit sorgt, die den oft nachdenklichen und melancholischen Lyrics eine eindringliche Glaubwürdigkeit und Authentizität verleiht, welche Spiro wohl als 'Intentional' bezeichnen würde.


SIENNA SPIRO kann aber auch anders. In Songs wie „My House“, „Great Expectations“, „Die On This Hill“ und insbesondere „Time, You & Me“ zeigt sie sich durchsetzungsfähig und mit viel Druck und Sustain. Hier kommt wiederum das gesangliche Studium der Vorbilder ins Spiel. Der Song „Time, You & Me“ erscheint mit seinem opulenten Orchesterarrangement sogar als 'James Bond'-Titelsong geeignet, wobei SHIRLEY BASSEY als gesangliche Referenz angeführt werden darf. Anders als bei vielen ihrer Kolleginnen gibt es mit „Not My Baby“ aber nur einen einzigen munter groovenden Soul-Pop-Song auf dem Album – wohl weil sie sich als nachtschattige Balladen-Queen mit gehaltvollem Material deutlich wohler fühlt, denn als Party-Sängerin auf der Suche nach Substanz in generischen Pop-Formaten.

Dass SIENNA SPIRO die Sixties als Referenz-Zeitalter auserkoren hat, was sie optisch und modisch deutlich zum Ausdruck bringt, sei mal dahingestellt. Musikalisch kommt das jedoch kaum zum Tragen, denn „The Visitor“ wurde schließlich nicht als Retro-Projekt initiiert, sondern dezidiert zeitlos angelegt.

Hier kommt ein letzter Gedanke ins Spiel: Könnte es sein, dass SIENNA SPIRO es darauf anlegt – ähnlich wie LAUFEY, aber nicht so deutlich - ihre Generation an die von ihr bevorzugten klassischen Musik-Genres und Old-School-Traditionen zusätzlich über solche Optik heranzuführen?


FAZIT: Mit ihrem Debüt-Album „The Visitor“ reiht sich die Londoner Songwriterin SIENNA SPIRO nahtlos und stilvoll in die Riege britischer Soul-Pop-Queens ein – und hinterlässt wahrlich keine schlechte Figur dabei. Dank des an den Traditionen klassischer Vorbilder orientieren Songwritings, persönlicher, konfessioneller Lyrics, reichhaltiger orchestraler Arrangements, einer ungewöhnlichen, rauen Alt-Stimme mit hohem Wiedererkennungswert und einer organischen Produktion - wobei das Material live im Studio eingespielt wurde – ergibt sich ein schlüssiges Gesamtbild, das sowohl konzeptionell wie auch charakterlich und musikalisch überzeugt.

Ullrich Maurer (Info) (Review 55x gelesen, veröffentlicht am )

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Wertung: 13 von 15 Punkten [?]
13 Punkte
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Tracklist:
  • My House
  • We're Not In Love
  • Great Expectations
  • Die On This Hill
  • Not My Baby
  • Pure
  • The Visitor
  • Time, You & Me
  • Stole The Show
  • Mono No Aware

Besetzung:

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