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Dämmerfest 2 - Kulturrampe Krefeld - 04.07.2026
Drei Bands luden beim zweiten Dämmerfest in der Kulturrampe Krefeld in drei musikalische Welten ein, und bereits vorher war klar, dass die Konstellation an diesem Samstagabend auf keinen Fall Gleichförmigkeit bedeuten würde.
Der Konzertreigen wurde von IMPARITY aus dem nahen Ruhrgebiet eröffnet. Die Musik des Quintetts gründet auf solidem Doom Metal, der sich Einflüssen anderer Stile nicht verschließt. So überraschte Sängerin Eva zuweilen mit Death Grunts, und der neu zur Band gestoßene Keyboarder und Geiger Heiko setzte vor allem am Streichinstrument nicht nur gelungene Kontrastpunkte, sondern übernahm wiederholt die Rolle, die im Metal sonst eher der Lead Gitarre zugeordnet ist. Das waren eindeutig die stärksten Momente in einer Setlist, die unterm Strich leider an Dynamik missen ließ. Da Heiko wohl noch ziemlich neu an Bord ist, hoffe ich, dass sein Dazutun IMPARITY ab sofort mehr Leben einhaucht.

Was ließe sich nicht alles den im Anschluss auftretenden GRENDEL’S SŸSTER andichten? Der das Dämmerfest veranstaltende Adam (Schattenpfade Support Circle) hatte im Vorfeld bereits ein "ganz besonders merkwürdiges Set" angekündigt, und die aus Süddeutschland angereiste Band hielt sich an diese Ansage, getreu dem Motto:
Wie viel Kauz ist im Metal möglich?
GRENDEL’S SŸSTER: Ja.
Das Quintett plün… leiht sich in mythisch-literarischen Schatzkammern, was es dort Spannendes findet, und musiziert dazu zwischen Kraut- und Folk Rock, gewürzt mit einer Prise Early Metal, dargeboten mit der selbstversunkenen Lässigkeit von Langzeitstudierenden oder einer (und das ist nicht despektierlich gemeint) beim Gewerkschaftsfest auftretenden Band von Musikliebhabern, die mit dem "business" so wenig wie möglich zu tun hat. Auch beim Dämmerfest wirkten GRENDEL’S SŸSTER auf mich so, als seien sie gerade aus einer vergleichsweise unbeschwerten Vergangenheit angereist, um in trauter Runde mit uns gemeinsam in diesen oder jenen mit Eselsohren und Kommentaren versehenen Klassiker hinein zu schmökern und flugs ein passendes Liedchen anzustimmen, quasi die musikalische Entsprechung meiner ersten Taschenbuch-Ausgabe vom „Hobbit“, die ich als Kind in die Hände bekam und die mir ungeahnte Welten voller Abenteuer eröffnete. Die beschwörend gesungenen Worte "A Elbereth Gilthoniel!" klingen jedenfalls auch noch am folgende Tage nach… Vom herkömmlichen, vor Klischees und Muskelkraft strotzenden Heavy Metal könnte das kaum weiter entfernt sein, und doch erinnerten mich einige der von Tobi an der Lead Gitarre gespielten Melodien ganz entfernt an jene Zeit, in der ich als Dreikäsehoch zum ersten Mal einer Band namens Iron Maiden lauschte. Und auch wenn kein/e Sterbliche/r der Ausdruckskraft eines Ronnie James Dio das Wasser reichen kann, bot Sängerin Caro die Songs mit einer Leidenschaft dar, die den in dieser Form im Metal (zumindest auf Deutsch) ziemlich einzigartigen Texten etwas einhauchte, das über das Herkömmliche hinausreicht. Songtitel wie "Nachteulenschnabel", "Eberzahnhelm" oder "Wildvögelein" ragen nicht nur aus dem Einerlei, sondern so ziemlich aus allem heraus, und ich hätte mich gefreut, zwischen den einzelnen Liedern etwas mehr darüber zu erfahren. Doch auch sonst gab es allerhand zu bestaunen, denn die Performance des Quintetts darf als idiosynkratisch im besten Sinne bezeichnet werden. Dark Throne spielen also "Prehistoric Metal?" – Nicht schlecht, doch GRENDEL’S SŸSTER spielen Wyrd Mythic Folk Metal Rock und an diesem Abend auch die eine oder andere Premiere, z.B. "Herr von Falkenstein" – da liegt die Vermutung nahe, dass auch eine Band namens Falckenstein ihren Einfluss auf die Süddeutschen hatte, die nach rund einer Stunde einigen Applaus einheimsten. Tobi unkte etwas später im kurzen Plausch, dass ein zweites Langspielalbum in Arbeit sei und dass es durchaus noch kauziger werden könne – es wird also weiter abenteuerlich zugehen bei GRENDEL’S SŸSTER.

Die im Bergischen und Köln beheimatete Band TOUGANI durfte den Abend mit atmosphärischem Black Metal beschließen. Die Bühne wurde dazu in dämmerig-blaues Licht getaucht, und schon beschwor das Quartett mit seinen elegischen Kompositionen die "Spirits" der Wälder. Die keineswegs hastig intonierte Musik breitete sich wie in Schleiern im leider nur noch schwach besuchten Konzertsaal aus, wobei der "neue" Schlagzeuger Molochai (ich glaube, er spielte seinen zweiten Gig mit der Band) einen sattelfesten Eindruck hinterließ. Neben Songs von der Debüt-EP präsentierten TOUGANI auch Material vom kommenden Album, das wohl in weiten Teilen geschrieben und das dieses Mal nicht allein auf dem Mist von Bandgründer Viator gewachsen ist, was für das Konzert-erprobte Bandgefüge spricht. Meinem Eindruck nach klingt das neue Material nuancierter: Einerseits träumerischer, andererseits schärfer, die Band dürfte also an Kontur gewinnen, ohne sich vom ursprünglichen Stil zu entfernen.

FAZIT: Auch wenn ich selbst die Idee reizvoll finde, Bands unterschiedlicher Stilrichtungen nacheinander spielen zu lassen, wird sich Adam angesichts des überschaubaren Publikums wohl seine Gedanken machen, ob er dieses Konzept beim nächsten Dämmerfest beibehält. Die Frage, wer die Kings & die Queen des Kauz Metal sind, stellt sich nach heute Abend nicht mehr.
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