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Jacob Brodovsky: Tell The Kids We Tried (Review)
| Artist: | Jacob Brodovsky |
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| Album: | Tell The Kids We Tried |
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| Medium: | CD/LP/Download | |
| Stil: | Singer/Songwriter, Indie-Pop |
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| Label: | Make My Day Records | |
| Spieldauer: | 39:17 | |
| Erschienen: | 10.07.2026 | |
| Website: | [Link] |
Der kanadische Songwriter JACOB BRODOVSKY scheint sich für andere Themen zu interessieren, als viele seiner gleichaltrigen Kollegen und beschäftigt sich auf seinem zweiten Album „Tell The Kids We Tried“ überwiegend mit den Problemen seines familiären Umfelds, was wohl daran liegt, dass er als zweifacher Familienvater und sozial engagierter Leiter von Jugendcamps fest im Leben steht und andere Prioritäten setzt, als Kollegen, die noch mit den Themen Coming-Of-Age und Selbstfindung beschäftigt sind.
JACOB BRODOVSKY weiß genau, wer er ist und kann deshalb den Fokus auf die Dynamiken zwischenmenschlicher Beziehungen in seinem näheren und weiteren Umfeld im kanadischen Winnipeg legen. So singt er für und über seine Kids, seine Frau, seine Verwandten, Freunde und Kollegen – beziehungsweise über die Dynamiken und Konsequenzen, die sich aus diesen Beziehungsdynamiken für die Zukunft ergeben.
Einen besonderen inhaltlichen Aspekt erhalten die Songs dadurch, dass ihnen Brodovsky eine im Rückblick prophetische Qualität attestiert, sodass er seine Stelle als Leiter eines jüdischen Summercamps – bei dem er jahrzehntelang tätig gewesen war und wo er seine Frau kennenlernte – aufgab, als er (kurz nach der Geburt seines zweiten Sohnes) mit Hasskommentaren und Drohungen der Free-Palestine-Szene konfrontiert wurde. Die Songs des neuen Albums (die er bereits vor dieser Entscheidung beendet hatte) erwiesen sich insofern als im Rückblick prophetisch, als dass er in Songs wie „Kids“, „Lack Thereof“, „Downer“ oder „Beneath It All“ bereits auf die sich ändernden Lebensumstände und die Entfremdung von der Gemeinschaft, in der er und seine Familie jahrzehntelang gelebt hatten, eingegangen war – was ihn letztlich selbst überraschte.
JACOB BRODOVSKY sagt von sich selbst, dass er ein von der Musik und dem Bedürfnis sich ständig songwriterisch betätigen zu müssen Getriebener sei, der über das singe, was er sehe – nicht notwendigerweise, um sich dadurch selbst zu therapieren, sondern um das zu kommentieren, was ihn persönlich bewegt, was sich aus den Zwischentönen in seinen Lyrics herauslesen lässt.
Neben den bereits erwähnten politischen Untertönen sind es vor allen Dingen genau beobachtete Details aus dem persönlichen Umfeld, die den Tenor von Brodovskys Songs bestimmen – etliche davon mit direktem Bezug zu seiner kanadischen Heimat; wie etwa die Geschichte vom Onkel, der andeutet, Manitoba verlassen zu wollen, weil ihm das „Colorado Low“ zu schaffen macht, das „Restaurant“ in der Ruby-Street im heimatlichen Winnipeg, wo ein Blind-Date aus dem Ruder läuft oder die bitterkalten „Winters“ in Winnipeg, die Brodovsky als Sinnbild für ein Leben ohne Happy-End mit dem Satz „Surviving Is Enough“ zum Abschluss bringt.
Wichtig für JACOB BRODOVSKY ist es, dass die Songs – trotz mancher nachdenklicher Passagen - keineswegs resignativ oder depressiv ausgerichtet sind, sondern stattdessen stets die Akzeptanz des Gegebenen betont und eine kämpferische, positive, hoffnungsvolle Grundstimmung vermittelt werden soll. Insbesondere musikalisch wird das durch einige muntere, lebhafte Indie-Pop-Songs wie beispielsweise den Single-Tracks „Kids“ und „Colorado Low“ markiert, deren originelle, selbst gebastelte Videos zudem Brodovskys abenteuerlichen Sinn für selbstironischen Humor demonstrieren.
Besonders interessant an dieser Songsammlung ist ihre Entstehungsgeschichte: Ursprünglich hatte JACOB BRODOVSKY vor, die fertigen Songs – wie bereits auf seinem ersten Album „I Love You And I’m Sorry“ – zusammen mit ein paar Freunden im Patchwork-Verfahren zusammenzustellen. Allerdings entschloss er sich, das Produzenten- und Musiker-Team GAVIN GARDINER und CHAMPAGNE JAMES ROBERTSON hinzuzuziehen, die das Projekt nicht nur produktionstechnisch, sondern auch musikalisch bereichern sollten. Daher verwarf er die Hälfte der bereits fertig geschriebenen Songs und ersetzte diese durch neue, die dann im Studio in Zusammenarbeit mit den beteiligten Musikern musikalisch ausgearbeitet werden sollten.
Nachdem die Songs zunächst mit dem in der Nachbarschaft lebenden Drummer JASON TAIT (THE WEAKERTHANS), mit dem Brodovsky schon seit Jahren befreundet war, strukturell vorbereitet worden waren, wurden die Arrangements im Studio kollaborativ erarbeitet und live auf einem 8-Spur-Bandgerät eingespielt.
Brodovskys Ziel, das Album als Kollaboration am Stück anzugehen, anstatt die Songs Stück für Stück zusammenzusetzen, resultierte in einem organischen, offensichtlich mit viel Liebe zum Detail ausgelegten und von der gemeinsamen Spielfreude befeuerten Klangbild, wobei zahlreiche Gäste das Projekt gesanglich oder mit Akzenten an Trompete, Geige, Synthie, Mellotron und Vibraphon bereicherten.
Lediglich der Track „Beneath It All“ wurde von ihm im Homestudio realisiert (und später mit Overdubs augmentiert) und fällt mit seinem folkigen Setting etwas aus dem musikalischen Rahmen. Denn stilistisch hält er sich kaum an die Americana-Klischees, die von ihm als Musiker aus der Winnipeg-Szene eigentlich erwartet würden. Statt Country-, Blues- oder Folk-Sounds erklingt ein fast schon experimentell ausgelebtes Sounddesign, in dem immer wieder überraschende Akzente das Klangbild einzelner Songs bestimmen.
So ist es zum Beispiel das von JASON TAIT gespielte Vibraphon, mit dem er die Ballade „Winters“ auf ein ziemlich eigenständiges Level hievt.
Der College-Pop-Song „Colorado Low“ wird von JAMES ROBERTSON mit einem Slide-Gitarren-Solo befeuert, während sich JACOB BRODOVSKY bei „Older Too“ selbst ans Wurlitzer-Piano setzt und „Beneath It All“ erreicht mit kammermusikalischen Streicher-Sounds, Tube-Gitarre und Mellotron-Sounds fast schon Chamberpop-Qualitäten.
Das Ergebnis ist ein Album, welches, trotz des klaren klanglichen Gesamtkonzeptes, viele überraschende und gelungene musikalische Details und stilistische Überraschungen bereithält.
FAZIT: Sein zweites Album wollte der kanadische Songwriter JACOB BRODOVSKY unbedingt zusammen mit seinen Musikern entwickeln und einspielen. Dafür drückte er einige bereits fertige Songs in die Tonne und schrieb neues Material für die Sessions im heimischen Winnipeg, die dann analog live im Studio auf Tape aufgenommen wurden. „Ich habe keine spezifische Richtung vorgegeben, außer der, dass ich wollte, dass wir alle zusammenarbeiten“, stellt Brodovsky fest und erklärt damit den spielfreudigen Band-Sound, die stilistische Freiheit und den eklektischen Soundmix, der das Album aus der Masse klassischer kanadischer Songwriter-Veröffentlichungen heraushebt.
- 1-3 Punkte: Grottenschlecht - Finger weg
- 4-6 Punkte: Streckenweise anhörbar, Kaufempfehlung nur für eingefleischte Fans
- 7-9 Punkte: Einige Lichtblicke, eher überdurchschnittlich, das gewisse Etwas fehlt
- 10-12 Punkte: Wirklich gutes Album, es gibt keine großen Kritikpunkte
- 13-14 Punkte: Einmalig gutes Album mit Zeug zum Klassiker, ragt deutlich aus der Masse
- 15 Punkte: Absolutes Meisterwerk - so was gibt´s höchstens einmal im Jahr
- Past Mistakes
- Colorado Low
- Kids
- Restaurant
- Older Too
- Interlude
- Lack Thereof
- Downer
- Beneath It All
- Winters
- It's Alright
- Bass - John Barron
- Gesang - Jacob Brodovsky
- Gitarre - Jacob Brodovsky, Champagne James Robertson
- Keys - Gavin Gardiner
- Schlagzeug - Jason Tait
- Tell The Kids We Tried (2026) - 12/15 Punkten
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